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„Saxophon spielen oder Saxophon sprechen – Parallelen von Sprache und Saxophonsound“

„Saxophon spielen oder Saxophon sprechen – Parallelen von Sprache und Saxophonsound“

Ein Beitrag von Dr. Alexander Rehm

„Du musst den Ton innerlich singen/sprechen, dann kannst Du ihn auch richtig spielen“ – ein Satz den so ähnlich wohl jeder, der ein Blasinstrument erlernt, von seinem Lehrer schon einmal gehört hat. Gibt es also eine direkte Wirkung unserer Stimmbänder auf den Ton und Sound beim Saxophonspiel? Ein klares Nein – Aber: der Mund-Rachenraum, der, neben der reinen Tonerzeugung durch die Stimmbänder, Sprache und Gesang erst möglich macht, ist in wesentlichem Maße verantwortlich für den Saxophonsound.

Insofern kann man sagen: „So wie man singt und spricht, so spielt man auch Saxophon und erzeugt seinen eigenen Sound.“ Das meinen die Lehrer mit obiger Aussage.

Doch a) wie hängt dies zusammen bzw. b) wieviel macht mein „Mund-Rachenraum“ am Sound aus und wieviel das Saxophon und das Set-up? Der letzte Punkt ist kaum zu beantworten, den das Set-up kann man einfach ändern (anderes Reed, anderer S-Bogen, anderes Sax), aber wie kann man den Mund-Rachenraum verändern und welchen Effekt hat das auf den Sound? Dazu gibt es im Folgenden einige Antworten auf Basis von Studien:

Die Formung des Mund-Rachenraums ist entscheidend, damit wir sprechen können. Allein um die Vokale „a, e, i, o und u“ aussprechen zu können, müssen wir unseren Mund-Rachenraum unterschiedlich „formen“. Dies kann jeder selbst erfahren, wenn er in monotoner Stimmlage (gleicher Ton) diese Vokale hintereinander spricht oder singt. Nur die Formung des Mund-Rachenraums macht ein „a“ zu einem „a“ oder ein „i“ zu einem „i“ – es ist nicht die Tonhöhe! Wir formen den Mund und generieren damit in unserem Mund-Rachenraum, der zwischen 14,5 und 17,5 cm lang ist, unterschiedliche Resonanzen die man „Formanten“ (kommt von „formen“) nennt. Das Zusammenspiel verschiedener Resonanzen ergibt den Klang, der dann beim Sprechen z.B. ein „a“ oder „i“ ausmacht. Aber auch „stimmlose Zischgeräusche“ (S-Laute) können wir durch die Formung des Mund-Rachenraums unterschiedlich erklingen lassen. Der „normale Mensch“ erzeugt bei der Aussprache der Vokale ca. 12 Resonanzen (= Formanten) im hörbaren Frequenzbereich (bis ca. 10.000Hz). Professionelle Tenorsaxophonspieler erzeugen in diesem Frequenzbereich ca. 14 Formanten – und zwar beim Saxophonspiel! Und diese Formanten sind fast sämtlich stärker ausgeprägt als beim Sprechen oder Singen.

Die zu diesem Thema durchgeführten Studien lassen folgende Aussagen zu:

  1. Beim Saxophonspiel nutzt der Spieler seinen Mund-Rachenraum, um Resonanzen/Formanten zu erzeugen, die wesentlich für den Saxophonsound sind.
  2. Generell verstärkt das Saxophon die Resonanzen, die durch Formanten erzeugt werden – das Saxophon ist also eine „hervorragende Schallröhre“!
  3. Einige Formanten werden auch durch das Set-up (Mundstück und S-Bogen) in Ihrer Ausprägung beeinflusst.
  4. Ein Großteil der Formanten wird allerdings vom Spieler allein durch Formung seines Mund-Rachenraums generiert.
  5. Ähnlich wie Zischlaute (z.B. das „S“ oder das „ch“) von hoher Bedeutung sind für die Sprache, so spielt auch das vom Spieler beim Saxophonspiel erzeugte „Rauschen“ (=Spielerrauschen) eine wichtige Rolle für den Sound.

Jeder Saxophonspieler nutzt den Mund-Rachenraum, um „seinen Sound“ zu erzeugen – und so wie jeder Mensch unterschiedlich ist sowohl in Bezug auf seine Anatomie, wie auch in Bezug auf seine Fähigkeiten, den Mund-Rachenraum kontrolliert zu formen, fällt jeder „Saxophonsound“ individuell aus.

Professionelle Saxophonspieler besitzen sehr weitgehende Fähigkeiten, Formanten unterschiedlich auszuprägen aber auch unterschiedliche Ausprägungen von Spielerrauschen zu erzeugen und sind damit in der Lage, „unterschiedlichste Sounds“ zu erzeugen.

Dr. Alexander Rehm

Sollten Sie Interesse an den Studien des Autors zu diesem Thema haben (pdf-Dateien), so können Sie diese per mail unter folgender Email abfragen: alexander_rehm@gmx.de


Saxophonic

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