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SaxCelebration!

SaxCelebration!

Ein Gastbeitrag von Markus Thiel – Equisound

Am 6. November ist es endlich wieder soweit: Feiertag! Und nicht irgendeiner. Wir feiern den Tag des Saxophons zusammen mit dem Geburtstag seines Erfinders Antoine Joseph Sax, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Adolphe Sax. Um die Feierlaune in diesem Jahr noch ein wenig zu steigern, erklärte der Schleswig-Holsteiner Landesmusikrat sogar das gesamte Jahr 2019 zum offiziellen Jahr des Saxophons. Mehr als ein Grund dieses außergewöhnliche Instrument und seinen Entstehungsprozess noch einmal eingehend zu beleuchten und zu würdigen.

Das Konzept für das, wohl bis heute, vielseitigste Blasinstrument der Welt, formte sich im Kopf eines Erfinders aus dem schönen Belgien, während dieser in der Instrumentenwerkstatt seines Vaters mit der Perfektionierung von Klarinette und Bassklarinette sein Brot und gleich auch das erste Patent verdiente. Auf Basis der gewonnenen Erfahrung mit diesen Rohrblattinstrumenten verwirklichte Adolphe schließlich den Prototypen seines ersten Saxophons, in der unmittelbar von der Klarinette inspirierten und daher naheliegenden Sopranbauweise. Mit diesem klanglichen Exoten im Gepäck und praktisch ohne Geld in der Tasche, machte er sich schließlich auf den Weg nach Paris, um für seine Neuentwicklung eine möglichst große Plattform zu suchen. Durch eine große Portion Glück und hilfreiches Vitamin B konnte der studierte Klarinettist schließlich in relativ kurzer Zeit namhafte Persönlichkeiten der französischen Musikszene, wie Jaques Fromental Halévy, Daniel-François-Esprit Auber und auch Hector Berlioz von seiner Erfindung begeistern. Steigendes Interesse und ein immer größer werdender Zuspruch motivierten ihn schließlich dazu, mitten in Paris eine Manufaktur für Blasinstrumente zu etablieren, in welcher er, neben optimierten Eigeninterpretationen von Trompete, Horn und Tuba (naheliegender und zusammenfassender Weise Saxhörner genannt) und Aida-Trompeten für Giuseppe Verdi, insgesamt acht verschiedene Saxophon-Modelle vom Sopranino bis hin zu Kontrabass und Subkontrabass(!) realisierte.

Dass sich das eigenwillige Instrument bis zum heutigen Tag immer noch wachsender Beliebtheit erfreut, liegt aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls in seiner Entstehung begründet. Als Zwitterwesen zwischen Blech- und Holzblasinstrument war das Saxophon von Beginn an zum tabulos musikalischen Grenzgänger bestimmt. Mit keinem Stil und keiner Spielweise verheiratet, fiel es sozusagen bereits mit der Geburt aus der musikalischen Tradition heraus und nutzte so eine nicht allzu oft vorkommende Chance: die der instrumentalen Selbstfindung. So zog das einzigartige Aerophon schließlich vor allem Instrumentalisten neuartiger Musik in ihren Bann. Egal ob Serielle Musik, Swing, Bebop oder Free Jazz, seine Wandelbarkeit, sowie die eng mit der Persönlichkeit des ausführenden Musikers verbundene Expressivität faszinierten bereits damals und bleiben bis zum heutigen Tag unerreicht. Kein anderes Blasinstrument kann so flüstern, singen oder unbarmherzig schreien wie das Saxophon.

Ob sein Konstrukteur und Erfinder den bis heute anhaltenden Siegeszug seines Instruments in dieser Form vorausgesehen hat? Wir wissen es nicht! Festzuhalten bleibt, dass sich der bis heute ungebrochene Erfolg der Saxophon-Familie letztlich auch auf die mutigen Entscheidungen von nachfolgenden Instrumentenbauern wie Henri Selmer stützt, welche nicht nur bereit waren das technologische Erbe von Adolphe Sax anzutreten, sondern darüber hinaus auch nicht müde wurden, eines der faszinierendsten Blasinstrumente der Welt konsequent weiterentwickelten.

In diesem Sinne: Joyeux anniversaire!


Saxophonic

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